
Bochum spricht – wir schauen hin!
Dieses Seminar führt aus dem Seminarraum direkt in die Stadt, dorthin, wo Sprache sichtbar wird und unsere Forschung beginnt.
In Kooperation mit der Stadt Bochum erkunden wir mit der LingScape-App den Bochumer Stadtraum sowie das Bochumer Rathaus, das in der zweiten Sitzung sogar zu unserem Lernort wird. Das Seminar wird zudem kommunikativ durch das RUB Centre for City Futures (CCF) begleitet.
Anstelle von Referaten und Hausarbeiten erprobt das Seminar alternative Formen des Leistungsnachweises, darunter eine Studierendenkonferenz und die kollaborative Erstellung einer Homepage oder eines Blogs.
Der Kurs befasst sich mit dem Forschungsfeld Linguistic Landscape, einem soziolinguistischen Ansatz, der die Sichtbarkeit und Präsenz von Sprache(n) im öffentlichen Raum untersucht. Im Zentrum steht die Analyse schriftlicher Zeichen wie Laden-, Straßen- und Hinweisschilder, Werbeplakate, Graffiti sowie deren semiotische Gestaltung im superdiversen Bochumer Stadtraum. Dabei wird folgenden Fragen nachgegangen: Welche Sprachen sind sichtbar und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Welche symbolischen Funktionen erfüllt der Sprachgebrauch im öffentlichen Raum (Identität, Ideologie, Macht, Werte von Gruppen oder Institutionen)? Die Unterscheidung zwischen Top-down-Zeichen (amtliche/offizielle Beschilderung als Ausdruck von Sprachpolitik) und Bottom-up-Zeichen (private/kommerzielle Zeichen als Ausdruck individuellen Sprachgebrauchs) ist dabei zentral. Weitere Themen sind die sprachliche Vitalität und Prominenz verschiedener Sprachen und Dialekte im öffentlichen Raum, die Sichtbarkeit von Minderheitensprachen sowie die identitätsstiftende und symbolische Funktion von Sprache im öffentlichen Raum im Kontext von Migration. Die leitende Fragestellung lautet: Was sagt die Präsenz oder Absenz einer Sprache über soziale Realitäten aus?
Das Seminar nimmt zwei Perspektiven ein: Erstens werden Sprache(n) im öffentlichen Raum in Bochumer Stadtteilen sowie in Bildungs- und Kultureinrichtungen untersucht. Zweitens wird im Sinne einer Simulation der Rezipient*innenperspektive erprobt, wie die Orientierung in der Bochumer Stadtverwaltung gelingt und wo gegebenenfalls Sprachbarrieren bestehen.
Die Studierenden lernen die methodischen Grundlagen der Linguistic-Landscape-Forschung kennen und führen eigenständige empirische Feldforschung in Bochum durch. Mit der LingScape App dokumentieren sie Beispiele urbaner Mehrsprachigkeit und entwickeln eigene Forschungsprojekte zu unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen Raums in Bochum, um Teile des Stadtgebiets zu kartieren und linguistisch zu erschließen.
Das Seminar wird durch eine Studierendenkonferenz abgeschlossen, in der die Ergebnisse der Projekte Vertreter*innen der Stadt Bochum präsentiert und gemeinsam in interdisziplinärer Runde diskutiert werden. Die alternativen Arten von Leistungsnachweisen dokumentieren Verlauf und Erkenntnisse des Kooperationsprojekts im Sinne der Third Mission und machen diese für die Stadt und die bereitere Öffentlichkeit zugänglich. Auf diese Weise verbindet das Seminar die wissenschaftliche Grundlagenvermittlung mit dem Forschenden Lernen-Ansatz der RUB und fördert zugleich die aktive Auseinandersetzung mit Sprache und Mehrsprachigkeit im städtischen Raum.
Die parallele Teilnahme an der Vorlesung "Sichtbare Mehrsprachigkeit in Süd-, West- und Osteuropa: Überblick über Konzepte und Ergebnisse der Linguistic Landscape-Forschung" (051185) wird sehr empfohlen, ist aber keine Pflicht.
Das Seminar wird im Rahmen der Romanistik angeboten und in Kooperation mit der Slawistik der RUB und der Stadt Bochum durchgeführt.
Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist für Studierende im M.Ed. und M.A. Französisch und Italienisch sowie für Studierende des Studiengangs Empirische Mehrsprachigkeitsforschung (EMF) möglich.
