Der neu eingerichtete Transregio-Sonderforschungsbereich „Historische und transkulturelle Erzähltheorie “ (TRR 427) untersucht vormoderne (antike, mittelalterliche, frühneuzeitliche) Erzählungen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten, mit dem Ziel, die Dynamiken und Funktionen des Erzählens in vergangenen Kontexten systematisch und vergleichend zu untersuchen. Der Sonderforschungsbereich besteht aus 19 Teilprojekten in 16 verschiedenen Disziplinen und ist an den Universitäten Bochum, Bonn und Freiburg angesiedelt.
TP A02: “Narrative Konstellationen: Neue Perspektiven auf den altfranzösischen Prosa-Lancelot-Gral-Zyklus“
Das Erzählen in Prosa, besonders in arthurischen Stoffen (und darüber hinaus), setzte neue Maßstäbe für mittelalterliche narrative Formen. Der Prosa-Lancelot-Gral-Zyklus leistete – auch in interkultureller und transhistorischer Hinsicht – einen wesentlichen Beitrag zur Rezeption arthurischen Materials weit über Frankreich, Großbritannien und ebenso über das Mittelalter hinaus. Eine systematische Analyse der im Zyklus verwendeten Erzählstrukturen ist allerdings ein Desiderat, was sicher auch auf den enormen Umfang des Zyklus zurückzuführen ist. Das Projekt geht für eine solche Analyse von der Idee aus, dass das Erzählen in mittelalterlichen Prosatexten – unabhängig von linearen Handlungssträngen, spezifischen Motiven oder uniliteralen Motivationen – durch narrative Konstellationen strukturiert ist. Wichtige narrative Konstellationen konzentrieren sich auf a) metaliterarische Aspekte und Autorität, b) ritterliche Praktiken und c) das Erzählen von Geschichte und deren religiösen Schnittstellen. Das Projekt wird eine Auswahl-Datenbank mit paradigmatischen Beispielen für die verschiedenen Typen narrativer Konstellationen erstellen. Es wird a) die Beziehung zwischen narrativen Konstellationen und anderen narratologischen Konzepten, b) deren potenzielle transkulturelle Anwendbarkeit und c) die Beziehung zwischen narratologischen Konstellationen und ihrer Darstellung in mittelalterlichen Handschriften untersuchen.
Pressemitteilung der DFG