NACH OBEN


Dr. Eva-Verena Siebenborn

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Romanisches Seminar

Raum: GB 7/158
Tel: +49 (0)234 32-23386
Email: eva.siebenborn@ruhr-uni-bochum.de

Sprechstunden nach Vereinbarung per E-Mail


Projektskizze:

Harmonia, suono, dolcezza. Poetologische Umkodierungen musiktheoretischer Zentralbegriffe (ca. 1450 - ca. 1600)

Ein Topos besagt, dass das Italienische eine ‚musikalische‘ Sprache, die italienische Dichtung eine besonders ‚meloshaltige‘, ‚gesangliche‘ und ‚harmonische‘ Dichtung sei. Dieser Topos lässt sich nach hier vertretener Überzeugung auf Umbrüche im 15. und 16. Jahrhundert zurückführen, die aus der Erosion der Hintergrundmetaphorik der Weltharmonie resultieren. Die geplante italianistische, literaturwissenschaftliche Studie über das Verhältnis von Musik und Dichtung in der Zeit zwischen 1480 bis 1610 nimmt ihren Ausgang von der Überlegung, dass die Zerrüttung der pythagoräisch definierten, ordo-stabilisierenden Harmonie als genuinem Diskursgegenstand der Musiktheorie seit dem Primo Quattrocento nicht nur den Rang der Musik als quadrivialer Proportionenwissenschaft und Eckpfeiler des mittelalterlichen Wissenskanons bedrohen müsste, sondern dass sie auch tiefgreifende ordo-Verschiebungen und Umbesetzungen im Wissenssystem sowie im Gefüge der Künste mit sich führen müsste.

Die Verlustgeschichte der Musiktheorie, so die These, ist eine Gewinngeschichte der Poetik und Künste, insbesondere der Dichtung. Im Fokus der diskursarchäologisch und metaphorologisch arbeitenden Studie steht der Agon zwischen Musik einerseits und Poetik und Dichtung andererseits. So wie Leon Battista Alberti und Leonardo da Vinci mehr implizit als explizit der Musiktheorie die Prinzipien concinnitas und symmetria abschöpfen und sie Architektur und Malerei zuordnen, um die von ihnen vertretenen artes mechanicae auf den Status einer Ars liberalis zu erheben, so operiert auch der poetologische Diskurs parasitär am untergehenden musiktheoretischen Diskurs. Der zwischen Musik und Dichtung bzw. Poetik ausgefochtene ‚Paragone‘ zentriert sich um Begriffe wie ‚Lyrik‘ sowie um die Begriffspaare ‚suononumero‘ und ‚harmonia‘ – ‚rhythmos‘. Die wesentlichen Umwälzungen im italienischen Literatursystem des 16. Jh., die durch Pietro Bembos Prose della volgar lingua (1525) und die Diskussionen um die aristotelische Poetik im Secondo Cinquecento bedingt sind, sollen als poetologische Umbesetzungen des musiktheoretischen Diskurses erwiesen werden. Der Agon um die musikalisch konnotierten Begriffe führt im Secondo Cinquecento zu einer als immer ‚musikalischer‘, ‚melodischer‘ und ‚süßer‘ empfundenen Dichtung. Die genannte Entwicklung wird verfolgt anhand von Sphärenharmonienintermezzi an oberitalienischen höfischen Festen um 1480 sowie anhand von Texten von Poliziano, Bembo, Tasso und Marino.

 

Projektskizze zum Download

Seit Mai 2017
Wissenschaftliche Mitarbeiterin für italienische Literaturwissenschaft am Romanischen Seminar der Ruhr-Universität Bochum

08/2014-05/2017
Lehrerin für Französisch, Italienisch und Musik, zuletzt am Ernst-Barlach-Gymnasium (Castrop-Rauxel)

Juli 2014
Rigorosum

März 2014
2. Staatsexamen

11/2012-04/2014
Referendariat am Bert-Brecht-Gymnasium (Dortmund) und am Zentrum für Schulpraktische Studien (Hagen)

WS 2011/2012
Lehrbeauftragte für besondere Aufgaben in Vertretung einer akademischen Ratsstelle am Romanischen Seminar der Ruhr-Universität Bochum

11/2005-03/2012
Diverse wissenschaftliche Tätigkeiten am Romanischen Seminar der Ruhr-Universität Bochum, u.a. als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Darstellung des Pathologischen im medizinischen und literarischen Diskurs in Frankreich im 19. Jahrhundert“ unter der Leitung von Prof. Dr. Rudolf Behrens

04/2007-07/2007
DAAD-Stipendium für einen Recherche-Aufenthalt in Paris (Bibliothèque Nationale de France; Bibliothèque Interuniversitaire de Médecine)

11/2005
1.Staatsexamen in den Fächern Französisch und Italienisch Sek I/II

Studium der Romanistik (Französisch, Italienisch) auf Lehramt (Sek I/II) an der Ruhr-Universität Bochum und der Musik (Sek I) mit den Hauptfächern Klavier und Gesang an der Folkwang-Musikhochschule Essen

Monographie

  • Texturen der Schwindsucht. Die phtisie im Wechselspiel französischer Medizin und Literatur (1830-1900). Wiesbaden: Harrassowitz 2016.
     

Aufsätze

  • „Mitleid zwischen Christianisierung und Rephilologisierung. Gian Giorgio Trissinos Tragödie La Sophonisba (1514/1515)“, in: Jörn Steigerwald, Hendrik Schlieper (Hgg.): Erneuerungen und Positionierungen der Tragödie in der frühmodernen Romania, Heidelberg: Winter, 2024 (Neues Forum für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft). [im Druck]
     
  • „Literatur und Musik in der italienischen Renaissance (ca. 1470 – ca. 1630): Ein Problemaufriss“, in: Eva Siebenborn (Hgg.): Literatur und Musik im Cinquecento: Zwischen septem artes liberales und Humanismus in Italien. Wiesbaden: Harassowitz 2022, S. 1-48.
     
  • „Musikalisch-rhetorische Affektregie. Angelo Polizianos Favola d'Orfeo (1480) im Kontext griechisch-antiker und zeitgenössischer Musiktraktatistik“, in: Eva Siebenborn (Hgg.): Literatur und Musik im Cinquecento: Zwischen septem artes liberales und Humanismus in Italien. Wiesbaden: Harassowitz 2022, S. 49-86.
     
  • „Die Pathologisierung der weiblichen Stimme im 19. Jahrhundert. Geschlecht, Krankheit, Gesang“, in: Talia Bachir-Loopuyt, Sara Iglesias, Anna Langenbruch, Gesa zur Nieden (Hgg.): Musik – Kontext – Wissenschaft: Interdisziplinäre Forschung zu Musik. Musiques – contextes – savoirs: Perspectives interdisciplinaires sur la musique. Frankfurt a.M.: Lang 2012.
     
  • „Darstellungsprobleme im medizinischen Fallbericht am Beispiel einer ‚Hystérie Pulmonaire‘ (1888)“, in: Rudolf Behrens, Maria Winter, Carsten Zelle (Hgg.): Der ärztliche Fallbericht. Epistemische Grundlagen und textuelle Strukturen dargestellter Beobachtung. Wiesbaden: Harrassowitz 2012, S. 107-133.
     
  • „Pathologie – Raum – Geschlecht: Die Schwindsüchtige als Figur der Liminalität im Roman Madame Gervaisais (1869) der Gebrüder Goncourt“, in: Lidia Becker, Alex Demeulenaere, Christine Felbeck (Hgg.): Grenzgänger und Exzentriker. Beiträge zum XXV. Forum Junge Romanistik. München: Meidenbauer Verlag 2010, S. 273-290. (in Koop. mit Annika Nickenig).
     
  • „Metaphoriken vitalistischer Verbrennung in Naturalismus und Décadence: Émile Zola und Marcel Batilliat“, in: Stephan Leopold, Dietrich Scholler (Hgg.): Von der Dekadenz zu den neuen Lebensdiskursen. Französische Literatur und Kultur zwischen Sedan und Vichy. München: Fink 2010, S. 23-45.
     

Herausgeberschaft

  • Literatur und Musik im Cinquecento: Zwischen septem artes liberales und Humanismus in Italien. Wiesbaden: Harassowitz 2022.
     
  • Repräsentationsformen von Wissen. Beiträge zum XXVI. Forum Junge Romanistik in Bochum (26.-29. Mai 2010). München: Martin Meidenbauer 2011. [in Koop. mit Annika Nickenig / Judith Kittler / Victoria del Valle]
     

Rezensionen

  • „Thomas Stöber: Vitalistische Energetik und literarische Transgression im französischen Realismus-Naturalismus. Stendhal, Balzac, Flaubert, Zola. Tübingen: Narr 2006,“ in: PhiN, Philologie im Netz 48/2009, 56-60.
     
  • „Küster, Lutz / Lütge, Christiane / Wieland, Katharina (Hgg.): Literarisch-ästhetisches Lernen im Fremdsprachenunterricht. Theorie – Empirie – Unterrichtsperspektiven. Kolloquium Fremdsprachenunterricht Bd. 52. Frankfurt am Main et. al.: Peter Lang 2015“, in: Französisch heute 1(2016), S. 38-39.
  • Februar 2011: „The Pathologisation of the female voice in the19th century“ (The Stimulated Body and The Arts: The Nervous System and Nervousness in the History of Aesthetics, Hatfield College, Durham/UK)
     
  • Februar 2010: „Die Pathologisierung der weiblichen Stimme im 19. Jahrhundert. Gesang, Geschlecht, Krankheit“ (Musique – Contexte et retour, CIERA, Centre Marc Bloch, Berlin)
     
  • Juni 2009: „Pathologie – Raum – Geschlecht: Die Schwindsüchtige als Figur der Liminalität in dem Roman Madame Gervaisais (1869) der Gebrüder Goncourt“ (in Kooperation mit Annika Nickenig; Forum Junge Romanistik 2009, Trier)
     
  • März 2009: „Darstellung von Weiblichkeit in medizinischen Fallberichten am Beispiel der Schwindsucht und der Hysterie 1830-1900“ (Gender and Narration, CIERA, Paris)
     
  • Sept. 2008: „Metaphoriken der Verbrennung im medizinisch-literarischen Diskurs des späten 19. Jahrhunderts“ (Frankoromanistentag, Augsburg)
     
  • Juli 2008: „Modellierungen der Schwindsucht zwischen literarischem und medizinischem Diskurs (Frankreich, 19. Jahrhundert)“  (3. Studientag, Literatur und Wissenschaftsgeschichte, MPI für Wissenschaftsgeschichte, Berlin)

November 2019:

„Ferrareser Intermezzi um 1500. Musik, Literatur und Theaterpolitik am Fürstenhof der Este“. Klang der Macht – Macht des Klangs in Gesellschaften und Medien der Vormoderne. 26. Jahrestagung des Brackweder Arbeitskreises für Mittelalterforschung. (Friedrich-Schiller-Universität Jena).


September 2019:

„Mitleid zwischen Christianisierung und Rephilologisierung. Gian Giorgio Trissinos Tragödie La Sophonisba (1514/1515)“, XXXVI. Romanistentag – Kassel 2019, Sektion: Die Erneuerungen der Tragödie in der Frühen Neuzeit, 1500-1700 (Frankreich, Italien, Spanien); Jörn Steigerwald / Hendrik Schlieper, Paderborn


Februar 2019:

«È di mestiere sapere quale suono rendono queste parole.» — Musik und Literatur zwischen Septem Artes liberales und Humanismus in Italien

Bochum, 25.-27. Feb. 2019

gefördert durch

Fts-logo

Tagungsprogramm

  • WS 2023/ 2024: „Musik und Dichtung im Cinquecento: Lektüreseminar“ (externer Lehrauftrag; in Kooperation mit Prof. Dr. Michael Klaper vom Musikwissenschaftlichen Institut Weimar / Jena).